|
|
Sendung vom 27. Juli 2001 Autorin des
Filmbeitrags: Anita Bach
Getreideverbrennung
In den Interventionslagern der EU lagern
7 Mio Tonnen subventioniertes Getreide vom Vorjahr. Bei soviel
Überschuß ist der Preis, den die Landwirte heuer für ihr Korn
bekommen so niedrig wie noch nie. Die Körner zu verheizen
bringt einen höheren Erlös, als sie zu verkaufen oder zu
verfüttern. Getreide hat einen guten Brennwert.
Wer
eine Getreideheizung betreibt, die weniger als 100 kW/h
leistet, braucht dafür keine Genehmigung. Nur die in der
Bundesimmissionschutz-Verordnung geforderten Emissionswerte
für Kleinanlagen müssen eingehalten werden. Getreidekörner
weisen vergleichbare Werte wie Stroh auf. Wegen der höheren
Eiweißgehalte muss allerdings mit höheren Stickoxidemissionen
gerechnet werden, die aber bei so kleinen Anlagen nicht
kontrolliert werden.
Bleibt die Frage, ob es ethisch
vertretbar ist, ein Grundnahrungsmittel zu verbrennen, während
800 Mio Menschen in der Welt hungern!
Befürworter der
Getreideverbrennung sehen keinen Unterschied, ob nun auf
brachliegenden Flächen als erneuerbare Energiequellen Raps
oder Getreide angebaut werden - beides schont endliche
Energieressourcen wie Erdöl. Und die Lieferung von
überschüssigem Getreide in Hungergebiete der Welt lindert zwar
kurzfristig den Hunger der Menschen, führt aber häufig zu
einer empfindlichen Störung der dortigen Märkte und wirkt
damit bei der Hilfe zur Selbsthilfe eher
kontraproduktiv.
Entschiedener Gegner der
Getreideverbrennung ist der Naturschutz. Nicht nur ethische
auch ökologische Aspekte sprechen dagegen. Getreide wird in
intensiver Landwirtschaft durch Einsatz von Stickstoffdünger,
Pestiziden, Treibstoff energiereich und umweltschädlich
produziert, um dann trotz des herrschenden Energieüberflusses
zur Energiegewinnung verbrannt zu werden.
Auch in der
Landtechnik Weihenstephan will man die Getreideheizung nicht
unbedingt empfehlen. Bei Getreide wird nur in etwa die Hälfte
des Ertrages, der von der Fläche stammt, genutzt, die übrige
Hälfte ist Stroh. Vor allem aber könnten auf derselben Fläche
auch andere Brennstoffe mit deutlich günstigeren
Brennstoffeigenschaften und kostengünstigerem Anbau produziert
werden.
Trotz dieser Einwände gibt es für die
energetische Nutzung von Biomasse Fördergelder vom Bundesamt
für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Wer einen Antrag für eine
derartige Kleinfeuerung stellt, kann 4000 Mark für seine
Heizung bekommen. |