Von keinem deutschen Politiker habe ich je so deutliche Worte über "unser" Europa gehört, wie von dem konservativen britischen Europaabgeordneten Daniel Hannan:
„Deutsche! Hört auf, euch ausnehmen zu lassen!“ überschrieb Daniel Hannan seinen Artikel am 27. April 2010 im englischen Telegraph. »Keinem Land in der EU wird so übel mitgespielt. Es zahlt mehr in das System ein als jedes andere, und hat dabei die niedrigste Pro-Kopf-Vertretung in den Brüsseler Institutionen.
"Die europäische Integration war immer von der Langmut deutscher Steuerzahler abhängig. Deutschland leistete seit 1956 in jedem Jahr die grössten Nettobeiträge an das EU-Budget. Es hat in die regionalen und landwirtschaftlichen Fonds der Europäischen Union, in den Kohäsions- und den Strukturfonds bisher mehr Geld einbezahlt, als von ihm in Versailles an Reparaturzahlungen je gefordert wurde. Warum nehmen die Deutschen das hin? Der erste Grund ist ein unausgesprochenes Gefühl, historisch dazu verpflichtet zu sein. Der zweite Grund hat ebenfalls mit der deutschen Vergangenheit zu tun: «Europa» hat sich immer als einzig mögliche Alternative zu aggressivem Nationalismus präsentiert. Glücklicherweise fallen die jüngeren Deutschen darauf nicht mehr herein. Sie nehmen es als das wahr, was es ist, egoistisches Gerede. Und damit wird in sehr absehbarer Zeit das Geld deutlich knapper. Bis zum Ende der neunziger Jahre profitierte mit Ausnahme von Grossbritannien und Deutschland jeder EU-Staat finanziell von seiner Mitgliedschaft, was es allen leichtmachte, das europäische Ideal hochzuhalten. Jetzt hingegen stimmen die Leute bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Nein. Dreimal wurde die europäische Verfassung bisher bereits abgelehnt: von den Franzosen mit 55 Prozent, von den Holländern mit 62 Prozent, von den Iren mit 53 Prozent. Die Antwort der EU bestand darin, die Ratifikation unbeirrt fortzusetzen. «Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?», fragte Bertolt Brecht mit beängstigender Voraussicht. Wie in den Comecon-Staaten hat ein Apparat die Unterstützung der Leute verloren und hält in Ermangelung besserer Ideen dennoch am alten Kurs fest.. "